{"id":1,"date":"2021-12-01T16:06:17","date_gmt":"2021-12-01T16:06:17","guid":{"rendered":"https:\/\/2030.slatter.ch\/?p=1"},"modified":"2021-12-02T13:16:52","modified_gmt":"2021-12-02T13:16:52","slug":"hello-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2030.slatter.ch\/?p=1","title":{"rendered":"Beitrag 1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Digitalisierung soll nicht zum Zweck mutieren, sondern ein Mittel zum Zweck bleiben. Einige grundsa\u0308tzliche Gedanken werden anhand einer satirischen Schilderung eines Tagesablaufs eines nicht mehr ganz jungen Studenten im Jahre 20xx illustriert. Die strategische Partnerschaft der Universit\u00e4t Basel mit der FH Alpha Centauri hat dem kulturanthropologischen Seminar starken Auftrieb verschafft. Die neu gegr\u00fcndete Fakult\u00e4t f\u00fcr Frageologie forscht best\u00e4ndig danach, was noch alles erfragt werden k\u00f6nnte. Digitale Transformation ist, wenn man trotzdem lacht&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein erstes Studium liegt fast ein Vierteljahrhundert zur\u00fcck. Der heutige Studienbetrieb unterscheidet sich sehr stark vom damaligen\u2026 Kaum vorzustellen, wie er sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten \u00e4ndern wird? Allerdings ist 2030 fast zu nahe an 2022. Als Stadtplaner weiss ich, in welchen Zeithorizonten geplant wird und Stadtvisionen projiziert werden (z.B. Basel 2050), vielleicht um niemanden heute und jetzt weh zu tun.<\/p>\n<p>Die Universit\u00e4t der Zukunft wird eine digitale sein, das ist keine Frage. Die durch die Pandemie beschleunigte Digitalisierung hat auch bei bis anhin digital weniger aktiven Leuten den Bann gebrochen. Mein Studienbeginn erfolgte mitten in der Pandemie\u2026.<\/p>\n<p>Als Raumplaner scheint es mir wichtig, dass der \u00ab\u00f6ffentlicher digitale\u00bb Raum nicht allein Mark Zuckerberg und co., also ausschliesslich der Privatwirtschaft \u00fcberlassen werden darf. In Zukunft braucht \u00f6ffentliche digitale Infrastrukturen, die im Interesse aller erstellt werden. Eine Digitalisierung, die nicht normiert, sondern die Vielfalt f\u00f6rdert. Dazu auch Universit\u00e4ten, die Inkubatoren und per se co-work spaces f\u00fcr neue Ideen sind und nicht nur Laborsimulatoren. Lebenslangen lernen ist mittlerweile selbstverst\u00e4ndlich geworden.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche Lebensentw\u00fcrfe und auch Lebensorte (z.B. abgelegene Randregionen) bietet Digitalisierung die Chance, sich neu zu positionieren, zu erfinden, zu profilieren.<\/p>\n<p>Digitalisierung soll aber nicht zum Zweck mutieren, sondern Mittel zum Zweck bleiben. \u00abSoviel Digitalisieren wie n\u00f6tig, aber nicht so viel wie m\u00f6glich\u00bb, sagte irgendjemand\u2026<\/p>\n<p>Nach diesen eher grunds\u00e4tzlichen Gedanken hier nun etwas satirischer:<\/p>\n<p><strong>Ein Tagesablauf an der Uni im Jahre 20xx:<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem ich schon seit dem fr\u00fchen Morgen an einem online-Seminar teilgenommen habe, dr\u00f6hnt mir der Kopf. Durch den VR Helm wurde viel Wissen direkt in mein Hirn geloadet. Die Kontaktstellen, wo die Sensoren an meinem Kopf befestigt waren, sind noch etwas klebrig. Vorhin habe ich grad wieder mal die Kaffeetasse auf dem Schreibtisch ausgesch\u00fcttet. Mit dem VR Helm stosse ich immer wieder etwas um\u2026<\/p>\n<p>Ach, diese gigantische Wolke des Wissens. Fr\u00fcher war es nur im Winter richtig neblig in Z\u00fcrich, heute kommt mir alles immer etwas neblig vor\u2026. Der best\u00e4ndige Strom von Daten und Infos macht mich ganz schwurbelig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Diskussion im VR Space gesellten sich auch unsere ausserirdischen<br \/>\nAustauschstudierenden der intergalaktischen Fachhochschule Alpha Centauri dazu. Elon Musk, der legend\u00e4re Marseroberer, liess sich im Alter auf diesem Planeten nieder.<\/p>\n<p>Da ihm nichts entgehen konnte, entdeckte er schliesslich, das, was alle immer vermuteten\u2026 die Marsmenschen. Also Menschen ist zu viel gesagt, es handelt sich eher um ein plasmatisches fluidisches Wesen, das immer wieder neue Gestalt annimmt und inkonsistent (oder inkontigent?) ist. Es ist mir grad recht, dass ich diesen Marsern nur virtuell begegne. Ihr gr\u00fcnes Schimmern und das hohe Piepsen sind wirklich gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Aber ich soll ja nicht ausgrenzen, sonst gibt\u2019s eine digitale Moralpredigt meines Robotik-Assistenten, Mika. Er kann n\u00e4mlich auch meine Gedanken lesen. Es heisst, sie h\u00e4tten deutlich h\u00f6here Intelligenz als unsere KI-Roboter*innen, aber dies macht sie auch nicht ansehnlicher.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Diskussion wurde ich von Mika unterst\u00fctzt. Er schl\u00e4gt mir im hui Stichworte, Zitate oder einzelnen Textstellen vor, die mir gar nicht eingefallen w\u00e4ren\u2026und dann macht er zwischendurch sogar gute Witzchen\u2026ich komme mir manchmal richtig dumm vor.<\/p>\n<p>Die strategische Partnerschaft der Universit\u00e4t Basel mit der FH Alpha Centauri hat auch der dem kulturanthropologischen Seminar gutgetan. Die Kollegen*innen von Mars (eigentlich sind sie ja geschlechtsneutral, aber der guten Form halber will ich sie doch so nennen) scheinen auf unsere Forschung \u00fcber den Alltag, \u00fcber Rituale, Gewohnheiten und andere Banalit\u00e4ten v\u00f6llig abzufahren. Sie \u00fcberh\u00e4ufen das Seminar geradezu mit Mitteln, so dass vor einigen Jahren die Fakult\u00e4t f\u00fcr \u00abFrageologie\u00bb an der Universit\u00e4t Basel gegr\u00fcndet wurde. Die Frageologie forscht best\u00e4ndig danach, was noch alles erfragt werden k\u00f6nnte. Wir geh\u00f6ren mittlerweile zu den gr\u00f6ssten Fakult\u00e4ten.<\/p>\n<p>Offenbar stehen sie auf menschliche Arch\u00e4ologie und lieben unsere Art Fragen zu stellen. Sie, die alles immer sofort wissen und berechnen, haben auf unsere Fragen selten eine Antwort. Also haben wir doch etwas, was Ihnen fehlt. Wir Kulturanthropologen sind offenbar so mega eigenartig, dass sie uns ins plasmatische Herz geschlossen haben, auch wenn unsere Interaktion zuweilen an die Grenzen der intertellurischen Kommunikation st\u00f6sst. Jede*r, der\/die hier arbeitet, weiss, dass gute Fragen nicht einfach so vom Himmel fallen\u2026<\/p>\n<p>Ich selbst bin mittlerweile definitiv in die Jahre gekommen, genauer 113 Lenze, dank modernster Medizin. Noch in den 50ern h\u00e4tte ich mir das nie vorstellen k\u00f6nnen oder wollen. Was mich geistig jung h\u00e4lt, ist diese best\u00e4ndige Suche nach Fragen\u2026.<\/p>\n<p>Eigentlich brauche ich gar nicht mehr an den Petersplatz zu kommen. Aber mein vollautomatisierter<br \/>\nRollator muss zuweilen bewegt werden. Die Vorlesungen und die Bibliotheksbest\u00e4nde<br \/>\nsind alle von zu Hause abrufbar. Die Ewigkeit ist zum Homeoffice mutiert und umgekehrt. Auch habe ich mein eigenes Fablab und neuerdings sogar ein Mini Wasserstoff-AKW zuhause, so dass ich fast g\u00e4nzlich autark bin.<\/p>\n<p>Schon spricht man vom Menschen als Robo Sapiens. Die virtuelle Welt verschmilzt immer mehr mit der realen Welt. Aber wer weiss schon genau, was denn nun Realit\u00e4t ist oder nicht. Von meinen B\u00fcchern konnte ich mich trotzdem nicht trennen. Sie stehen in einem Lagerraum in Basel. Nun verraten sie nicht mehr, wer ich bin. Nur Mika weiss es\u2026<\/p>\n<p>Ja, manchmal fehlt mir eine community wie fr\u00fcher, aber die neuen Drogen sind auch nicht schlecht. Eigentlich haben es die ewigen Impfverweigerer viel besser. Sie wurden zwar gesellschaftlich ausgegrenzt, aber ihr soziales Leben scheint viel konkreter und lebendiger.<\/p>\n<p>Digitale Transformation ist, wenn man trotzdem lacht!<\/p>\n<p>von MJ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Digitalisierung soll nicht zum Zweck mutieren, sondern ein Mittel zum Zweck bleiben. 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