{"id":110,"date":"2021-12-01T15:48:16","date_gmt":"2021-12-01T15:48:16","guid":{"rendered":"https:\/\/2030.slatter.ch\/?p=110"},"modified":"2021-12-02T14:55:35","modified_gmt":"2021-12-02T14:55:35","slug":"beitrag-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/2030.slatter.ch\/?p=110","title":{"rendered":"Beitrag 2"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr die Zukunft des Seminars w\u00fcnsche ich mir mehr kollaborative Forschung. In dieser Hinsicht bin ich f\u00fcr das Studium am Seminar im Jahr 2030 positiv gestimmt, denn wie ich finde, sind wir auf dem richtigen Weg dieses Ziel zu erreichen.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein Studium der Kulturanthropologie hat erst in diesem Semester begonnen. Ein Punkt, welches mir schnell klar geworden ist, ist die Praxisn\u00e4he in diesem Fach. In meinem Bachelorstudium (Soziologie und Nahoststudien) an der Universit\u00e4t Basel konnte ich die N\u00e4he zur Praxis nur im Rahmen der Seminararbeiten und die hier verwendeten gesellschaftswissenschaftlichen Methoden erleben. In Kulturantrhopologie scheint dies anders zu sein, denn in jedem Seminar oder in jeder \u00dcbung in diesem Semester hat mindestens eine Exkursion stattgefunden und in vielerlei Hinsicht sind experimentelle Herangehensweisen an ein bestimmtes Thema beliebt. Mir gef\u00e4llt diese Praxisn\u00e4he und ich w\u00fcnsche mir f\u00fcr die Zukunft, dass die Kulturanthropologie in Basel diese Besonderheit der Praxisn\u00e4he beibeh\u00e4lt und im besten Fall weiter ausbaut.<\/p>\n<p>Zwischen all den Seminaren und \u00dcbungen, welche ich dieses Semester belegt habe, finde ich Alain M\u00fcllers Seminar besonders eindr\u00fccklich und beispielhaft daf\u00fcr, um meine W\u00fcnsche und Visionen f\u00fcr die Zukunft am Seminar der Kulturanthropologie zu veranschaulichen. Alains Seminar heisst \u201eKulturanthropologie als Mediation. Zwischen Grenzobjekten und Praxisgemeinschaften\u201c. Ich muss zugeben, dass ich zu Beginn des Herbstsemesters skeptisch war, denn in der ersten Stunde stellte und Alain eine Forschungsarbeit vor, welches kollaborativ ist. Soll heissen, die Forschungsperson involvierte alle beteiligten Akteure in den Forschungsgegenstand und machte dabei auf ein gesellschaftliches Ph\u00e4nomen aufmerksam, indem er zusammen mit den Akteuren die Forschung auf die Beine stellte, um im Anschluss L\u00f6sungswege f\u00fcr die Problematik zu finden. Meine Kritik war, inwiefern solch eine Forschungspraxis wissenschaftlich seri\u00f6s sein kann und ich empfand eine solche Forschung als eine journalistische Arbeit, als dass von einer wirklichen Forschung die Rede sein k\u00f6nnte. Als ich im Laufe des Semesters meine Kritik reflektiert habe, wurde mir klar, wie ich in meinem Bachelorstudium vom klassischen Positivismus im Rahmen der wissenschaftlichen T\u00e4tigkeit beeinflusst wurde und eine bestimmte Vorstellung von Objektivit\u00e4t habe, welche die Vogelperspektive einnehmen soll.<\/p>\n<p>Mittlerweile stelle ich diese Sicht in Frage und mir wird eines deutlich: Wenn ich die Vogelperspektive einnehme und m\u00f6glichst positivistisch und objektiv forschen soll, geht mir doch so vieles verloren. In der Vogelperspektive kann ich lediglich pr\u00e4gnante Ereignisse fassen, die nur von oben herab sichtbar sind. Wenn ich aber die Perspektive wechsele und auf die Erdoberfl\u00e4che gehe, wird doch viel mehr sichtbar, was ich von oben herab vielleicht gar nicht wahrnehmen w\u00fcrde. In diesem Sinne w\u00fcnsche ich mir f\u00fcr die Zukunft des Seminars, dass wir auf diesem Weg bleiben und die praxisnahe Forschung weiter ausbauen. In Gespr\u00e4chen mit jungen Akademiker*innen kann ich diesen Wunsch auch wiedererkennen.<\/p>\n<p>Beispielsweise sagte mir ein Kollege vor nicht so langer Zeit: \u201eWas bringt mir denn die ganze Forschung und meine ganzen Analysen, wenn ich in der Praxis nichts ver\u00e4ndern kann.\u201c Auch meines Erachtens ist es leicht am Schreibtisch zu sitzen und sich die besten Analysen auszuarbeiten, ohne aktiv zu werden. Doch was bringt dann die ganze gesellschaftswissenschaftliche Kritik, wenn gesellschaftliche Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse damit bestehen bleiben? F\u00fcr die Zukunft des Studiums am Seminar der Kulturanthropologie in Basel bin ich daher optimistisch gestimmt.<\/p>\n<p>Ich denke wir sind auf dem richtigen Weg das veraltete wissenschaftliche Verst\u00e4ndnis zu dekonstruieren und eine kollaborative und transformative Forschungspraxis zu st\u00e4rken. Dies kommt auch dem allgemeinen Wunsch in der Wissenschaft entgegen, mehr Interdisziplinarit\u00e4t zu st\u00e4rken und somit neue Perspektiven f\u00fcr die Forschung und Entwicklung zu etablieren. Gewiss gibt es Herausforderungen der kollaborativen Anthropologie, wie zum Beispiel die Frage wer mit wem zusammenarbeiten will oder kann. Die Intention der Forschungsperson ist in dieser Hinsicht bestimmt ausschlaggebend die kollaborative Forschung in eine bestimmte gew\u00fcnschte Richtung zu lenken und dabei bestimmte Akteure auszuschliessen. Dies ist eine Gefahr, die wir nicht unbeachtet lassen k\u00f6nnen. Dennoch bin ich der \u00dcberzeugung, dass Aushandlungsprozesse und eine st\u00e4ndige kritische Reflexion der Forschungspraxis diesem Problem entgegenwirken kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Zukunft des Seminars w\u00fcnsche ich mir mehr kollaborative Forschung. 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